Meeresdrachen (Kenia 2010)

Als ich am Bamburi Beach in Kenia zum allerersten Mal die Flasche anlegte und mich von der Oberfläche runter zum Riff sinken ließ, erwartete mich eine der prägendsten Erfahrungen überhaupt. Hatte ich nur einen Tag vorher gedacht, mich mit Schnorcheln zu begnügen, schwebte ich jetzt ruhig zwischen den schönsten tropischen Fischen und Korallen. Leuchtend rote Seesterne, schwarzblaue Seeigel, eine Muräne in ihrer Höhle und dieser Feuerfisch/Löwenfisch/Skorpionsfisch/Drachenkopfartige kamen mir fast zu nah. Feuerfische nutzen ihre Giftstacheln nur zur Verteidigung, nicht zum Angriff. Entgegen weit verbreiteter Annahmen ist das Gift nicht stark genug, einen Menschen zu töten. Es sollte hiernach noch 4 Jahre dauern, bis ich meine Tauchlizenz machen sollte. Aber das erste Mal vergisst du auch in diesem Fall nie.

Im Land der Lakota (South Dakota, USA 2011)

Aufstieg zum Präsidenten

Kaum eine Gegend vermiss ich so sehr auf der Welt wie die Black Hills und kaum eine erscheint mir unerreichbarer zu sein. Ist eigentlich Quatsch, denn sie liegen ja nicht in Alaska, sondern im mittleren Westen. Trotzdem hat mich die Fahrt dahin mit dem Bus von Chicago aus fast den letzten Nerv gekostet. 23 Stunden Fahrt durchs Ödland, enge Sitze, Beef Jerkey zum Kauen und draußen nur den ganzen Tag das braune Gras der Great Plains zum anglotzen. Damals konnte man sich noch keine Playlists oder Serien aufs Handy laden, jedenfalls nicht auf meins. Als sich am Horizont die Hügel als graue Schatten zeichneten, ließ ich mich erleichtert fallen.

Wie in „Der mit dem Wolf tanzt“ zu sehen, sind die Hills wirklich das heilige Land der Lakota-Sioux, aber dann wurden George, Thomas, Theodore und Abraham 1941 in den heiligen Berg dieses Stammes gemeißelt. Die Streitigkeiten um Gebietsansprüche halten an und reichen von Gerichtsverhandlungen zu Besetzungen des Monuments hin zum Versuch, ein eigenes Monument zu erschaffen, den reitenden Häuptling „Crazy Horse“ (und auch dieser Bau ist A umstritten und wird B frühestens im 22. Jahrhundert fertig).

Mount Rushmore und die Erinnerung an Wild Bill Hickok und seinen Wilden Westen haben aus den Black Hills einen Themenpark gemacht. Die Dampfeisenbahn hört man im ganzen Tal hupen und schnauben, auf der Main Street und in den Saloons wird mit Platzpatronen geballert und Familien mit Kleinkindern schieben sich durch alte Goldstollen ohne Rücksicht darauf, dass Kinder darin leicht Angst bekommen und anfangen, zu weinen.

Und trotz des Disneyland-Flairs haben die Hills einen festen Platz in meinem Herzen. Es ist die frische Luft, die einem tief in die Lunge geht, sobald man aus dem Dorf raus in die Nadelwälder tritt. Es ist der Hirsch, der mir auf dem Rückweg vom Rushmore aus dem hohen Gras direkt vor die Füße sprang. Es sind die glasklaren Bäche, aus denen man trinken kann und der blaue Sylvann Lake, so idyllisch unter einer Felswand gelegen, dass ich beim Umrunden anfing, die Melodie von Winnetou zu pfeifen. Schlussendlich sind es die Kletterfelsen und Berge wie der Black Elk Peak (höchster Berg östlich der Rockys), von dem aus man angeblich in jeder Richtung einen anderen Bundesstaat sehen kann.

Sylvan Lake

Wenn man durch die Wälder streift, nur ein paar 100 Meter weg von Westernstadt und Badesee, scheint alles andere unwichtig zu werden. Nur der Felsen da hinten wird interessant, vielleicht kann ich von da oben besser sehen. Obs dort Pumas gibt? Nur ein paar Kilometer durch den Custer State Park, die Flasche am Bach gefüllt und es ging über ein paar Treppen auf das Plateu des B.E. Peak, wo einem alle Hills zu Füßen liegen und man im Osten wieder bis zu den Great Plains blicken kann. Es war keine rekordverdächtige Bergwanderung, aber zwischen diesem strahlend blauen Himmel und dem schwarzgrün der Wälder unter mir atmen zu können, zählt für mich zu den schönsten Momenten meiner USA-Reise. Rasch hatte ich die Zeit vergessen und war plötzlich der letzte, der heute vom Peak abstieg. Der Weg zurück durch den Wald war lang, verdunkelte sich bald und ich musste mich sputen, um mit dem letzten Licht wieder am Sylvan Lake zu sein.

Melancholischer Abstieg vom Black Elk Peak (damals noch Harney Peak).

Ich und die Hills, das war eine zu kurze Geschichte. Viel zu schnell nach 4 Tagen ging damals im heißen Juli 2011 die Reise weiter Richtung Colorado und die Rocky Mountains. Ob ich dahin zurückkomme? Unwahrscheinlich, aber schön wärs. Es gibt noch so viel mehr dort zu entdecken. Die Badlands. Die Windy Cave. Bisons. Ich hab sie kaum gekannt und krieg sie doch nie wieder aus dem Kopf…